Zu meinen Arbeiten und vom Betrachten derselben:

Wie kommt es zu den Bildern, warum solche Bilder und warum überhaupt? Schwer zu sagen – mit Worten. Vor allem dann, wenn sich in einem eine andauernd anwachsende Bildsprache etabliert und bestens ohne Worte auskommt und fraglos in mir intensives Erleben provoziert. Ein schwer zu vermittelnder Umstand, eine Erfahrung, die sich wiederholt wie die Gezeiten. Der Wille, selbst wohlgesonnener Betrachter, stets „etwas“ sehen zu wollen ist nicht zu brechen, vielleicht zu wandeln? Otto Breicha bringt es so schön auf den Punkt, wenn er sagt "...Kunst, eine im Wesen erfinderische Angelegenheit, gibt notorisch nichts Augenscheinliches wieder, sondern macht Ungesehenes sinnfällig...".

Dennoch geht es aber auch darum, kompositorische Ideen und Rhythmen ein Format zu geben, eine Farbigkeit, ein „Oben“, ein „Unten“, eine „Mitte“, eine Struktur, einen Charakter. Dirigieren und sich dirigieren lassen, unprätentiös erfassen, „wohin die Reise geht“.

Linien, Formen und Farben waghalsig korrespondieren lassen und sich dem hingeben, was sich wortlos erschließt. Im Idealfall ein subjektives ABC der bildnerischen Metaphern aufstellen, ein Vokabular symbolträchtiger Chiffren generieren, ein Formenrepertoire, das die sichtbare und fühlbare Welt verdichtet und in extremis reduziert, ein rudimentäres und dennoch an Konnotationen reiches System an Malzeichen...Nach Kandinsky ist das „Ewig-Künstlerische“ eine „göttliche Sprache“, „welche durch alle Menschen, Völker und Zeiten geht...und als Hauptelement keinen Raum und keine Zeit kennt“.

Assoziationen an organische Strukturen, Erinnertes und Erfahrenes, Naturbezüge und sonstige Anleihen an Gesehenes mischen mit und mischen sich ein. So wachsen möglicherweise Bild-Ideen, sowohl beim Gestalter, als auch beim Betrachter. Bildideen vielleicht auf der Suche nach dem Geistigen hinter der Materie, dem Übernatürlichen hinter dem Natürlichen.

Wie betrachten?
Vielleicht nicht so sehr als Lesen einer geheimnisvollen Schrift, kein Nachvollziehen der Notationen einer Psyche, kein Entziffern „unaussprechlicher“ Botschaften, keine Übersetzung von Ideogrammen in Belletristik, sondern ein gedankliches Mitschreiben oder Mitmalen...also nicht der Ruf nach Entschlüsselung eines individuellen Kosmos, nicht das Heischen nach Verständnis eines Charakters, sondern der Wille, etwas zu erschaffen, das auf einfachste, weil im Sichtbaren aufgehobene Art und Weise zeigt, wie komplex Malerei sein und funktionieren kann – natürlich kann man dieses Angebot höchstwahrscheinlich nur wahrnehmen, wenn man bereit ist, in das Sehen eben soviel Zeit und Arbeit wie der Künstler zu investieren.

Arnold Stadler:
„Abstrakte Kunst gibt es ja doch gar nicht. Das ist noch so eine Schablone oder Schublade, mit der der gescheite Mensch und Schubladenvirtuose auf die eigentlich sprachverschlagende Begegnung mit der Kunst reagiert. Der Mensch glaubt unbedingt, etwas sagen zu müssen zu etwas Gesehenem oder Gelesenem. Je gescheiter er sich wähnt, des mehr glaubt er, sich äußern zu müssen. Er will etwas sagen dazu, und dann fällt ihm, verglichen mit dem Gesehenem, doch nichts Rechtes dazu ein, oder nicht genau das Richtige, kurz: Festzuhalten bleibt, dass ein Bild oder ein Buch, immer mehr ist als das, wie es gesehen wird und was dazu gesagt wird.

Ihm, dem gescheiten Menschen, der alles beschrieben haben will, erklärt haben will, fallen dann auf so etwas Originelles und eigentlich Unbeschreibliches, sich der Beschreibung Entziehendes wie ein Bild im Nachhinein nur Wörter dazu ein, im Nachhinein Wörter und Konstruktionen und Schubladen wie „abstrakt“ oder „gegenständlich, „wild“ oder „still“, „intim“ oder „gestisch“, „impressionistisch“ oder „expressionistisch“, „romantisch“ oder „klassisch“.

Was für Krücken! Die, konfrontiert mit Bildern, welche die Welt vergegenwärtigen, aber an der Kunst versagen. Wie wenig doch (diese) Wörter in Bezug auf das Gesehene sind und auch in Bezug auf das, was der Betrachter eigentlich sagen wollte, wird dann deutlich, wenn das Gesagte mit dem Gesehenen konfrontiert wird. Das, was wir zu einem Bild sagen und sagen können, ist doch immer nur etwas Nachträgliches, etwas im Nachhinein. Wenn der Mensch weiß, dass das lediglich Begriffe sind, die uns allenfalls einzuordnen helfen, aber nicht erklären, erklären können, und dass die Kunst etwas Sprachverschlagendes ist, dann ist es ja gut.

Soviel können wir aber sagen zur Kunst, ja uns sogar mit Professor Keilbach darauf verständigen und einigen, dass es sich bei ihr um etwas Unvergessliches handelt. „Woran erkenne ich ein Kunstwerk?“ fragt er seine Studenten. Und er gibt sich die Antwort selbst: „Dass es unvergesslich ist.“






Ein paar Zitate, Fundsachen, die mir nahe sind...:

»Die Bilder müssen kommen wie der Atem. Man kann seine Intuitionen nicht wiederholen, sowenig wie eine Welle sich in ihrer Form je wiederholen kann.«
(Julius Bissier)

„Die Symbole in den Bildern sind stumme Gleichnisse, die vom Beschauer selten verstanden, aber geahnt werden als etwas Unaussprechliches oder Ergreifendes.“
(Julius Bissier)

„Bilder machen ist für mich, wie manchmal eine ungewöhnliche Entscheidung...“
(Martin Rasp)

„...Ich will den Zustand der inbekannten Sensibilität, den Zustand einer Atmosphäre...“
(Heini Linkshänder)

„Ich glaube, es ist die Aufgabe der Kunst, das Gefühl, das Unaussprechliche, metaphysisch Wirksame im Menschen in Bewegung zu bringen, sofern er die Bereitschaft hierfür mitbringt.“
(Frederic Hienstorfer)

„...Vielleicht ist es gar nicht so zufällig, dass die Abstraktion in der Malerei just zu dem Zeitpunkt auftrat, als die medialen Bilderfluten durch die Fotografie, den Film und dann die Television ihrer Tendenz nach ins Uferlose gingen ...", stellt Elisabeth von Samsonow in einem Essay fest, "...Das auf semantische Suchläufe programmierte Sehen, das von den Bilderfluten belastete und belästigte, kommt in der Abstraktion zur Ruhe, die ihm gestattet, die Ebene zu wechseln. Anstatt ETWAS zu sehen, SIEHT es. Damit gerät es in den meditativen Zustand der Kooperation mit dem Intellekt. (...) Das Sehen [wird] auf seine Standards zurückgeführt, (...) das vor-bildlicher Reiz ist." .

„...Darum haben auch, trotz allen Redens von Kunst, so wenige ein echtes Verhältnis zu ihr. Die meisten fühlen wohl irgend etwas Schönes; Oft kennen sie Stile und Techniken; manchmal suchen sie auch nur nach stofflich Interessantem oder sinnlich Anreizendem. Das echte Verhalten vor dem Kunstwerk hat damit nichts zu tun. Es besteht darin, dass man still wird, sich sammelt, eintritt, mit wachen Sinnen und offener Seele schaut, lauscht, miterlebt. Dann geht die Welt des Werkes auf...“
(Curt Heigl)

„Wenn doch nur der Interpretations-Zwang nicht wäre, unter dem die Betrachter stehen. Wenn ein Kunst-Werk mit einem ganz bestimmten Gemütszustand eines Betrachters zusammentrifft und daraus Funken schlägt, dann ist es doch völlig piepe, in welche Kategorie oder Weltklasse die professionellen Kunstschreiber dieses Kunstwerk einordnen.“
(Heinrich Brockmeier)

„Jeder möchte die Kunst verstehen. Warum versucht man nicht, die Lieder eines Vogels zu verstehen?!“
(Pablo Picasso)